22.12.2013
  

 

 

Wissenschaftler entdecken geheimen Code in der menschlichen DNS

Redaktion

 

Wissenschaftler haben einen geheimen zweiten Code entdeckt, der sich in der DNS versteckt und bestimmt, wie das Erbgut kontrolliert wird. Diese überraschende Entdeckung eröffnet der Diagnose und Behandlung von Krankheiten möglicherweise neue Wege, wie eine neue Studie berichtet.

 

Seit der Entdeckung des genetischen Codes vor mehr als 40 Jahren ging die Wissenschaft davon aus, das die DNS nur beschreibt, wie Proteine produziert werden. Aber eine Forschungsgruppe unter Leitung von John Stamatoyannopoulos von der Universität Washington fand nun heraus, dass das Genom den genetischen Code benutzt, um zwei separate Codes zu schreiben. »Seit

 

mehr als 40 Jahren nehmen wir an, dass Veränderungen der DNS, die den genetischen Code betreffen, lediglich beeinflussen, wie Proteine erzeugt werden«, erläuterte Stamatoyannopoulos in einer Pressemitteilung. »Jetzt wissen wir, dass diese grundlegende Annahme hinsichtlich des Verständnisses des menschlichen Erbguts nur die halbe Wahrheit ist.«

 

Die Wissenschaftler entdeckten, dass die zweite Sprache die Zellen dahingehend steuert, wie das Erbgut kontrolliert wird, heißt es in den Ergebnissen der Untersuchung, die am Freitag im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht wurden. Die Studie ist Teil des Encyclopedia of DNA Element Project (ENCODE).

 

Die DNS (Desoxyribonukleinsäure) ist eine Nukleinsäure und bildet den wesentlichen Bestandteil der Chromosomen aller Lebewesen, mit Ausnahme einiger Viren. Die DNS kann sich selbst verdoppeln (Selbstreplikation), spielt eine entscheidende Rolle bei der Proteinsynthese und ist Träger der Erbinformation.

 

Der zweite Code blieb deshalb so lange verborgen, weil der eine Code auf dem anderen Code geschrieben wird, sagen die Wissenschaftler. Es war bekannt, dass der genetische Code ein »Alphabet« mit 64 »Buchstaben« benutzt, den so genannten Codons. Die Forschungsgruppe entdeckte nun, dass einige dieser Codons zwei Bedeutungen haben – die eine bezieht sich auf die Proteine, die andere auf die Genkontrolle. Diese besonderen Codons bezeichneten sie als »Duons«. Diese Duons könnten die Interpretation des menschlichen Erbguts verändern und Hinweise auf die Behandlung von Krankheiten liefern.

 

»Die Tatsache, dass der genetische Code gleichzeitig zwei Arten von Informationen beschreiben kann, bedeutet, dass viele Veränderungen der DNS, die die Abfolge der Proteine beeinflussen, tatsächlich Krankheiten auslösen könnten, indem Prozesse, die das DNS-System kontrollieren und reparieren, unterbrochen werden. Denkbar ist auch eine gleichzeitige Unterbrechung beider Mechanismen«, sagte Stamatoyannopoulos. Zu der Entdeckung meinte er weiter, die neuen Ergebnisse »machen deutlich, dass es sich bei der DNS um ein unglaublich leistungsstarkes System zur Informationsspeicherung handelt, das die Natur in unerwarteter Weise ausgeschöpft hat«.